Sehr verehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser:

die Generalversammlung der FCI 2015 hat mir erneut ihr Vertrauen ausgesprochen und mich zum Präsidenten des weltweit bedeutendsten Hundeverbands wiedergewählt, eine Ehre, für die ich mich herzlich bedanke!

Meine Verpflichtung, mich mit allen Kräften für unsere Grundsätze einzusetzen, besteht unverändert weiter. Heute mehr denn je gehört es zu meinen vorrangigen Aufgaben, die Rechte unserer Hunde und ihrer Halter zu verteidigen, über ihre Gesundheit zu wachen und weltweit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was ein gesunder Hund in unserer Gesellschaft bedeutet. Ich bin sicher, dass Sie mich alle dabei unterstützen werden.

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Rafael de Santiago
Präsident der FCI
FCI agenda 2020

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Möglicherweise stellt sich der ein oder andere von Ihnen die Frage, warum wir die Welt der Kynologie überhaupt verändern sollen. Schließlich ist doch finanziell alles im grünen Bereich. Außerdem steigen die Registrierungen von Hunden und Anmeldungen bei Hundeveranstaltungen weltweit. Sollten wir tatsächlich so viel Energie darauf verwenden, etwas zu verändern, was perfekt funktioniert?

Die Antwort lautet ja – und es muss noch mehr getan werden.

In unserer Welt, die sich heutzutage schneller verändert denn je, ist der Erfolg von gestern keine stabile Größe mehr. Wer heute Erfolg hat, kann nur die Weichen für den Wandel von morgen stellen. Auf Basis einer soliden 100-jährigen Geschichte haben wir vor gut zwei Jahren begonnen, uns auf die bevorstehenden Herausforderungen einzustellen. Dies betrifft gegenwärtige, aber insbesondere die Herausforderungen, die sich bereits am Horizont abzeichnen. Wenn wir diese Herausforderungen links liegen lassen, werden wir schon bald die Folgen zu spüren bekommen. Und wenn wir den Wandel nicht selbst herbeiführen, werden andere ihn uns aufoktroyieren. Wir wollen den Wandel führen und uns nicht selbst zu dessen Gegenstand machen.

Der britische Philosoph Bertrand Russell sagte einst: „Wandel ist wissenschaftlich. Fortschritt ist ethisch.“ Für eine wertebasierte Organisation wie die FCI reicht es nicht, Wandel nur um des Wandels willen herbeizuführen. Für uns muss Wandel mehr sein als nur Kosmetik oder Prozess – Wandel muss ein Ziel haben. Und dieses Ziel heißt Fortschritt.

2013 habe ich in meinem Text zu meiner Bewerbung um die Präsidentschaft den FCI-Plan für die Zukunft vorgestellt. Der Plan war das Fundament für die notwendigen Veränderungen in unserer Organisation.

Dieses Mal müssen wir ein Ziel haben, um noch weiter zu gehen. Zusammen müssen wir dieses Ziel festlegen und daran arbeiten, es zu erreichen. Das Ziel muss in erster Linie das Wohlergehen der Hunde weltweit beinhalten.

Die FCI Agenda 2020 wird einen strategischen und detaillierten Plan umfassen, der die FCI in den nächsten fünf Jahren anleiten soll.

Die FCI Agenda 2020 wird alle Ihre Ideen und Vorschläge berücksichtigen und sich darauf konzentrieren, die Diskussion über das Wohlergehen von Hunden weltweit zu führen und die Zukunft unserer Organisation sichern.

Darüber hinaus wird die FCI Agenda 2020 die kynologischen Diskussionen ab 2016 leiten und inspirieren und sich mit den vier Leitthemen Wohlergehen der Hunde, hundefeindliche Gesetze, Zusammenarbeit und Jugend befassen.

  • Die FCI-Jugend wird einen wichtigen Aspekt unserer Zukunft darstellen. Ich werde Jugendinitiativen in allen Ländern weiterhin unterstützen, damit wir die besten Humanressourcen erhalten, die die FCI in die Zukunft führen und Rassehunde schützen werden.
  • Wir müssen unsere Mitglieder weiterhin bei ihren Bemühungen unterstützen, Hunde und ihr Wohlbefinden zu schützen. Als größte Hundeorganisation der Welt werden wir Initiativen flankieren, die die Gesundheit und Zukunft der Hunde sicherstellen, wie die Internationale Partnerschaft für Hunde und sonstige gemeinnützige Initiativen. Die wissenschaftliche Kommission und die Standardskommission der FCI werden zu diesen Bemühungen beitragen. Wir werden unseren Kommissionen spezielle Untersuchungen anvertrauen, die die globale Diskussion über das Wohlergehen von Hunden mit wichtigen Erkenntnissen unterlegen werden.
  • Hundefeindliche Gesetzgebungen sind die größte Gefahr für Kynologie, Rassehunde und Hundehalter weltweit. Die Rechtsvorschriften werden in unseren Ländern ohne die entsprechenden wissenschaftlichen Daten und ohne die Mitsprache der nationalen Hundeverbände eingeführt. Als weltweit größter Fürsprecher der Hunde werden wir uns selbst federführend in diese Diskussion einbringen, um im besten Interesse von Hunden und ihren Haltern zu handeln. Die FCI Agenda 2020 wird die notwendigen Maßnahmen entwickeln, um diesen Sachverhalt anzugehen, wie einen FCI-Lobbyist bei der Europäischen Union. Ziel ist, bei dieser wichtigen Diskussion auf nationaler und internationaler Ebene nicht außen vor zu bleiben.
  • Last but not least und für mich am wichtigsten in der FCI Agenda 2020 ist Kooperation. Ich meine damit die Zusammenarbeit zwischen den FCI-Mitgliedern und zwischen den Menschen, die Hunde mögen. Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, müssen wir ebenfalls festlegen, wie wir unsere Kooperation untereinander ausgestalten. Wir werden das erforderliche Instrumentarium entwickeln, um allen in der FCI Gehör zu schenken.

Wir müssen eine Welt schaffen, in der das Wohlergehen der Tiere wichtig ist und der Grausamkeit gegenüber Hunden ein Ende gesetzt wird. In der FCI Agenda 2020 wird unsere Organisation einen ausgeprägten Fokus auf den Schutz unserer Hunde legen. Wir werden Hunde als Kulturgut fördern und die Mentalitäten weltweit verändern. Diese Initiativen werden von unseren nationalen Verbänden durchgeführt.

Die FCI Agenda 2020 kommt einem Mosaik gleich. Jedem Teil und jedem Vorschlag wird das gleiche Gewicht beigemessen. Nur wenn alle Mosaiksteine zusammengefügt werden, wird das Gesamtbild sichtbar. Wir werden den Erfolg der FCI fördern und Fortschritte beim Schutz der Hunde und der Stärkung einer hundeorientierten Kultur in unserer Gesellschaft erzielen.

Fortschritt erfordert Zusammenarbeit. Die FCI-Zukunft kann nur mit uns stattfinden. Ich bin der Meinung, dass wir die Zukunft gemeinsam angehen können, weil wir nicht gespalten sind, wie manche sagen würden. Die FCI ist viel mehr als die Summe unserer individuellen Ambitionen und wir weit mehr als ein Haufen großer und kleiner Länder.

Wir werden unsere Reise in die Zukunft zusammen mit Ihrer Hilfe fortsetzen und der Hundewelt immer wieder aufzeigen, dass wir die größte und wichtigste Organisation für Hunde weltweit sind. Wir sind und bleiben die Fédération Cynologique Internationale!

Rafael de Santiago
FCI-Generalversammlung 2015